Über das Fasten

Völlen oder Fasten?

Wenn die schweren Braten nach den Feiertagen schwer im Magen liegen und eine leichte Restübelkeit von den vielen Plätzchen und Lebkuchen vorherrscht, haben viele von uns den Wunsch, mal eine Zeitlang nur sehr wenig oder auch gar nichts zu essen. Nicht umsonst liegt die klassische Fastenzeit im Frühjahr. Der Ursprung dieser Sitte ist vor allem das in früheren Zeiten knappe Nahrungsangebot in den letzten Wintermonaten, das die Menschen mehr oder weniger dazu zwang, sich zu mäßigen.

Fastentees sorgen für Wohlbefinden und Entspannung

Da wir heute, in satten Zeiten, diesen Mangel nicht mehr kennen, ist es natürlich schwerer, eine Zeitlang zu fasten. Viele Fastenbegeisterte zeigen jedoch, dass diese Sitte auf jeden Fall etwas für sich hat: der Körper wird leichter, die Plätzchen ziehen sich vom Hosenbund zurück und viele Fastende berichten, dass sie auch fitter werden und sich leistungsstärker fühlen.

Die beste Zeit

Die ideale Zeit fürs Fasten ist das Frühjahr, da sie unserer Natur entspricht und mit der Jahreszeit geht. Das Christentum kennt die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass zum Beispiel der Verzicht auf bestimmte Genussmittel in dieser Zeit Wunder wirkt. Nach sechs Wochen ohne Eis und Schokolade ist die „Zuckersucht“ verschwunden und die für Ostern gebunkerten Vollmilch-Schokoriegel sind mehr als uninteressant. Alkohol, Kaffee, Fleisch – es gibt viele Dinge, auf die man verzichten kann in dieser Zeit. Wer 100% auf Nahrung verzichten will, sollte dies unter fachlicher Anleitung tun, zum Beispiel in einem der vielen Fastenhotels oder in Absprache mit einem Therapeuten.

Davor und danach

Damit der Körper nicht aus allen Wolken fällt, wenn keine Nahrung mehr geliefert wird, kannst du im Vorfeld schon einmal etwas weniger essen und den Darm entlasten oder reinigen. Nach dem Fasten kommt das Fastenbrechen. Das heißt nicht, sofort einen übervollen Teller leer essen zu dürfen. Man beginnt zum Beispiel mit einem Apfel und etwas heißer Brühe. Der Körper soll sich so langsam wieder auf Nahrung einstellen. Du wirst spüren, dass der Geruchs- und Geschmackssinn sich durch das Fasten intensiviert hat. Alles wird jetzt stärker wahrgenommen und vielen ist herkömmliches Naschwerk oder der geliebte Morgenkaffee plötzlich zu heftig. Der Körper signalisiert jetzt deutlicher, was ihm gut tut und was nicht. Diesen tollen Effekt kannst du halten, indem du auf diese neuen Signale hörst und nicht wieder in alte Gewohnheiten zurückfällst.

Fasten ohne Qual

Ich selbst habe mich schon am Zuckerfasten ausprobiert und am Saftfasten. Gewählt habe ich dafür die klassische Zeit von Fasching bis Ostern. Bei mir kam kein Zucker mehr in den Mund, also kein Kuchen, kein Eis, keine Schokolade… Am Anfang habe ich mich damit sehr schwer getan und gespürt, dass die Sucht nach Zucker durchaus zu den echten Süchten zu zählen ist. Als kleinen Anreiz hatte ich mir selbst einen großen Eisbecher zu Ostern versprochen, wenn ich durchhalte. Wie oft ich in dieser Zeit an einen Erdbeerbecher gedacht habe ;-). Am Ende aber immer weniger und als der große Moment endlich kam, als Ostern erreicht war, war mir der Becher piepegal. Das hat mich wirklich überrascht. Auch andere Süßwaren, die ich schon im Vorfeld gekauft hatte, um mich für die Zeit nach dem Fasten zu entschädigen, lagen noch ziemlich lange im Schrank. Hat man dann erst einmal wieder angefangen mit dem Zucker, kommt die alte Sucht schnell wieder. Wer hier stark bleibt, hat sich auf lange Zeit eine tolle Grundlage für einen fitten Körper geschaffen.

Nichts für schwache Nerven

Wenn du körperlich oder nervlich angeschlagen bist, solltest du dir auf jeden Fall das OK von einem Heilpraktiker oder Arzt holen, bevor du mit dem Fasten beginnst. Mein persönliches Saftfasten

Saftfasten mit Gemüsesäften

musste ich leider auf fachkundigen Rat abbrechen, weil mein Körper zu stark rebellierte. Wenn du gesund und munter bist und es einmal ausprobieren möchtest, auf feste Nahrung zu verzichten, spricht nicht viel dagegen. Beachte aber bitte die weiter unten beschriebenen Probleme, die beim Fasten auftreten können! Vielleicht nutzt du die Fastenzeit für einen Fastenurlaub, fährst in ein Bio- oder Fastenhotel und lässt dich begleiten. Den Geist mit in das Fasten einzubeziehen, ist auf jeden Fall sinnvoll, zum Beispiel mit sanften Sportarten wie Yoga oder vielleicht sogar mit Meditation. Jeder wird hier seinen persönlichen Wohlfühlweg finden. Unser Körper kann so viel mehr als nur ständig verdauen. Eine Fastenzeit kann uns zurückführen zu unseren wahren Bedürfnissen und die Ablenkungen durch die Nahrungsmittelindustrie vergessen lassen. Was bleibt, ist ein neu ausgerichteter Sinn für wirklich wertvolle Lebensmittel und für das, was wir nicht wirklich brauchen.

Die Fastenkrise

Befindlichkeitsstörungen beim Fasten kommen bei Anfängern wie auch bei geübten Fastenden vor. Du kannst die Symptome abfangen, indem du dich schon eine Woche vor Fastenbeginn vegan und vorzugsweise basisch ernährst und auf biologische Lebensmittel achtest.  Spaziergänge, viel Wasser (2-3 Liter/Tag) und null Alkohol sind ebenfalls gute vorbereitende Maßnahmen. Du kannst während dieser Vorbereitungswoche auch schon mal deinen Koffeinkonsum herunterfahren, sodass du am ersten Entlastungstag keinen Kaffee mehr brauchst, denn plötzlicher Koffeinverzicht kann zu unangenehmen Entzugserscheinungen führen. Genieße spezielle Fastentees oder Extrakte aus Mariendistel, Artischocke und Löwenzahn. Diese unterstützen die „Entgiftungsarbeit“ der Leber und können schon eine Woche vor Fastenbeginn eingenommen werden. Zusätzlich kannst du jeden 2. Tag abends ein Basenbad nehmen und Stress reduzieren. Alle diese Maßnahmen sollen bereits vor Fastenbeginn eine Übersäuerung abbauen, um eventuelle unangenehme Symptome beim Fasten stark zu reduzieren bzw. zu verhindern. Ein bis zwei Entlastungstage solltest du vor dem Fasten auf jeden Fall einlegen. Sollte es dennoch zur „Fastenkrise“ kommen, kannst du zum Beispiel bei Kreislaufproblemen Ingwertee oder einen frisch gepressten Apfelsaft mit Ingwer bzw. Pfefferminztee mit einem Teelöffel Honig trinken und dich viel an der frischen Luft bewegen. Bei sehr niedrigem Blutdruck kannst du deine Fastensuppe mit einem natürlichen Salz würzen. Auf Kopfschmerzen reagierst du am besten mit viel trinken. Also erst mal ein großes Glas Wasser leeren, wenn der Kopf brummt. Nimm ein Basenbad aber auch ein Basen-Fußbad und bewege dich moderat an der frischen Luft. Alternativ kannst du Atemübungen an der frischen Luft machen, dich ausruhen oder dir ein kleines Schläfchen gönnen, wenn es die Zeit erlaubt.

Wenn das Fasten sauer macht

Während des Fastens musst du mit eventuell auftretenden Nebenwirkungen wie Azidose, Hypotonie, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Konzentrationsschwäche, erhöhtem Kälteempfinden und trockener Haut sowie Mundgeruch und Menstruationsstörungen rechnen. Diese Nebenwirkungen verschwinden jedoch meist im Verlauf der Fastenkur. Gegen eine eventuell auftretende Übersäuerung während des Fastens solltest du dich vor allem ausreichend bewegen und viel trinken. So kann die überschüssige Säure besser ausgeleitet werden. Dafür nimmst du am besten Kräutertee oder Wasser mit Zitrone, denn darin sind Basen enthalten.

Gesundheitliche Risiken

Eine Fastenkur wird nicht empfohlen z.B. bei Kachexie (krankhafte und sehr starke Abmagerung), Anorexia nervosa (Magersucht), in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei erhöhten Harnsäurewerten. Mit zunehmender Fastendauer entsteht im Körper vermehrt Azeton. Dieses bewirkt eine Übersäuerung, die Ketoazidose. Durch die Ausscheidung der Ketonkörper über Urin und Atemluft entsteht ein unangenehmer Geruch. Die Fähigkeit der Niere zur Harnsäureausscheidung wird gehemmt und die Harnsäurekonzentration im Serum steigt an. Bei bereits erhöhten Harnsäurewerten (Hyperurikämie) solltest du also nicht fasten, da es zu einem akuten Gichtanfall kommen kann. Zudem kann das Gehirn die Ketonkörper beim mehrtägigen Fasten erst nach einigen Tagen nutzen. Deshalb baut der Organismus in der Anfangsphase des Fastens verstärkt körpereigenes Eiweiß aus der Skelett- und Herzmuskulatur ab (etwa 75 Gramm pro Tag). Aus den Aminosäuren wird dann Glukose gebildet.

Fasten plus Sport

Yoga beim Fasten wirkt entspannend und abführend

Dass Heilfasten zu gefährlichen Proteinverlusten führen kann, habt ihr gerade gelesen. Es gibt aber auch Erkenntnisse, dass sich zum Beispiel eine vierwöchige Fastentherapie mit gleichzeitigem Sportprogramm trotz Proteinabbau positiv auf den Körper auswirken kann. Vier Wissenschaftler aus Berlin nutzten für ihre Studie Daten von adipösen (fettsüchtigen) Patienten, die zwischen 1974 und 1990 eine 28-tägige Saftfasten-Kur nach Buchinger durchführten. Über Obstsäfte nahmen sie rund 80g Kohlenhydrate am Tag auf. Außerdem tranken sie Gemüsebrühen und Hefetrunk und nahmen Multivitaminpräparate sowie Wasser zu sich. An 6 Tagen der Woche machten sie ein gemäßigtes Langzeit-Ausdauertraining plus ein 30-minütiges Krafttraining. Nach 4 Fastenwochen waren die sporttreibenden Patienten gut 12kg leichter. Die anderen Patienten, die beim Fasten keinen Sport getrieben hatten, hatten ca. 11kg abgenommen. Das Besondere: Die aktiven Fastenden hatten mit etwa 8kg auch deutlich mehr Fettgewebe abgenommen als die inaktiven. Der Proteinverlust war bei den Sporttreibenden mit 650g (Frauen) und 1130g (Männern) nur sehr wenig höher als bei den inaktiven Fastenden. Dabei steigerten sich ihre Muskelkraft sowie die körperliche Leistungsfähigkeit sogar, und zwar um rund 20%. Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass der Proteinverlust problemlos vom Körper toleriert wird. Auf normalgewichtige Patienten kann man diese Ergebnisse aber nicht direkt übertragen sondern man geht davon aus, dass diese eher mehr Protein abbauen und daher nicht ganz so lange fasten sollten. Adipöse Patienten könnten ein 28-tägiges Saftfasten nach Buchinger jedoch problemlos durchführen. Vor allem zusammen mit Sport kann es zu positiven Veränderungen im Körper führen, folgerten die Wissenschaftler.

Fasten zum Abnehmen

Zum Abnehmen als Hauptgrund ist Heilfasten nicht geeignet. Es kann aber als Impuls für eine Änderung des Lebensstils dienen, denn die positiven Erfahrungen einer Heilfastenkur können dir eine langfristig gesundheitsbewusstere Lebensführung und eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten schmackhaft machen. Allerdings kann dir die Heilfastenkur eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen.

Schlacken & Co

Wir wollen dir nicht vorenthalten, dass aus heutiger Sicht viele positive Wirkungen des Heilfastens rein wissenschaftlich kaum oder nur ungenügend belegt sind. Vor allem das sogenannte „Entschlacken“ ist wissenschaftlich nicht begründbar. Ein gesunder Körper sammelt keine Schlacken und Ablagerungen von Stoffwechselprodukten, stattdessen werden nicht verwertbare Stoffe bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren ausgeschieden. Bedenke auch, dass durch das Fasten die Wirkung von Medikamenten beeinflusst werden kann, die Dosis also eventuell angepasst werden muss. Eine Schulung in einer Fastenklinik kann dir den Einstieg in eine Ernährungsumstellung ebenfalls erleichtern. Wir wünschen viel Erfolg und spannende sowie bleibende und nachhaltige Erkenntnisse für deine Fastenzeit!

Quellen:

4 Gedanken zu „Über das Fasten

  1. Alabama32

    Ich finde es gut, wenn man nicht komplett fastet, denn das birgt nur die Lust sich vollzustopfen. Lieber eine grosse Auswahl an gesunden Sachen vom Hof oder so, dass man durch Vielfalt genau das verhindern kann. 🙂

    Antworten
    1. Manuela B. Artikelautor

      Hallo Alabama32, selbstverständlich muss jeder seinen eigenen Weg finden. Gesunde Ernährung ist eine super Sache! Fasten beinhaltet noch andere Aspekte als lediglich bewusste Ernährung aber nicht jedem liegt es, komplett auf Nahrung zu verzichten. Viele Grüße, Manuela

      Antworten
  2. Carina

    Ich habe die letzten Wochen auch gefastet. In dieser Zeit habe ich auf Zucker, Milchprodukte und Fleisch verzichtet. Zusätzlich habe ich viel Tee getrunken und Moringa-Kapseln (die hier). Zu Beginn war das wirklich nicht leicht, aber mittlerweile habe ich mich schon sehr daran gewöhnt.
    Alles Liebe,
    Carina

    Antworten
    1. Manuela B. Artikelautor

      Das ist super, Carina! Viel Erfolg beim weiteren Fasten oder zumindest beim Beibehaltem einiger neuer und guter Gewohnheiten! 🙂

      Antworten

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