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Informationen über veganes Leben

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Tipps + Informationen über veganes Leben

Wo fängt vegane Lebensweise an? Nach welchen Regeln leben Veganer? Eine allgemeingültige Definition für vegan zu finden, ist einfach: Wer konsequent vegan lebt, verzichtet auf alle tierlichen Produkte und lehnt alles ab, was mit der Ausbeutung von Tieren zum menschlichen Nutzen zu tun hat. Das betrifft die Bereiche Ernährung, Kleidung, Kosmetik, Verkehr und Wohnen.

Vegan-sein ist salonfähig geworden

Doch letztlich ist es eine individuelle Entscheidung, wie konsequent und ganzheitlich man auf tierliche Produkte oder Produkte, die tierliche Ressourcen beanspruchen, verzichtet. So schwierig die Umsetzung erscheinen mag, vegan, auch nur in Teilen zu leben, kann schon einiges bewirken. Das haben viele Menschen erkannt und die Gruppe, die eine vegane Lebensweise für sich entdeckt, wird immer größer, Vegan-sein ist salonfähig geworden.

Vegan-sein ist kein Spleen einiger Weniger mehr. Veganer sind keine komischen Freaks, sie haben Spaß am Leben, aber wollen eben nicht auf das zurückgreifen, was Tieren gehört. Die meisten Menschen wissen heute, dass unsere Nahrung aus Industrien stammt, dass Tiere durch Züchtung ein Leben voller Schmerz führen, weil Nutztierrassen nach Effizienzkriterien genetisch designd sind, Hühner ihre Futtermischungen von Transportbändern picken und Kühe zu Milchmaschinen geworden sind, auch im Biosektor.

Bücher zum Veganismus & Veganer Ernährung

  • Gill Langley: „Vegane Ernährung. Grundlagen-Wissen zu den medizinschen Aspekten der veganen Ernährung.“, Echo Verlag 1999
  • Björn Moschinski: „Hier & jetzt vegan. Marktfrisch einkaufen, saisonal kochen.“, Südwest Verlag 2013
  • Ruediger Dahlke: „Peace Food. Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt.“ Gräfe & Unzer 2011
  • Attila Hildmann: „Vegan For Youth. Die Attila Hildmann Triät.“, Becker Joest Volk Verlag 2013
  • Nicole Just: „La Veganista“, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2013
  • Roland Rauter: „Einfach vegan – draußen kochen, von Grillen bis Picknick.“, Schirner 2013

Warum vegan? Beweggründe für eine vegane Lebensweise

Die Beweggründe für eine vegane Lebensweise sind mannigfaltig. Geht man ethisch an die Sache ran, geht es um die Rechte und das Wohlergehen bzw. um das Leid oder ’nicht leiden müssen‘ sowohl von Tieren, als auch der Mitmenschen in der „Dritten Welt“. Nicole Just, Bloggerin, Autorin und Fleischerstochter, las in „Skinny bitch“ von Rory Freedman und Kim Barnouin über Massentierhaltung und Schlachthäuser und wurde von einem Tag auf den anderen zum Veganer. Auch sie stellte sich die Frage nach dem moralischen Status der Tiere: Darf man ihnen, zugunsten des Menschen, Opfer abverlangen? Ihr ganzes Leben inklusive Kosmetik und Kleiderschrank hat sie umgestellt.

Eine Bewusstseinswende ist nötig

Nicole Just ist nur ein prominentes Mitglied derer, die erfolgreich für eine Bewusstseinswende plädieren und davon überzeugt sind, dass die zunehmende Umstellung ein Segen für Tier und Mensch wäre. Denn heute produzieren wir mehr Pflanzen für die Tierfütterung, als für den direkten Verzehr. 60 Prozent der jährlichen weltweiten Getreideernte wird zu Futtermitteln verarbeitet. Die Preise für Grundnahrungsmittel steigen und wir erleben eine zunehmende Konkurrenz von Nahrungsmitteln und Futtermitteln, weil riesige Kalorienmengen durch die Fleischproduktion vernichtet werden.

Pflanzliche Fleisch-Alternativen sind klimafreundlich

Das führt zu einem weiteren Grund für eine vegane Lebensweise: Zur fortschreitenden Umweltzerstörung und zur Störung des Gleichgewichts natürlicher Lebensräume durch Monokulturen, Massentierhaltung, Wasserverschmutzung durch Pestizide und Düngemittel und durch Abholzung der Regenwälder zur Schaffung von Flächen für die Intensivbewirtschaftung, die zu Erosion und Wüstenbildung führt. Studien belegen, dass die Fleischproduktion mehr Treibhausgase verursacht, als alle Transportmittel zusammen.

Seriöse Vergleiche der ökologischen Nachhaltigkeit zwischen pflanzlichen Fleischalternativen und Fleisch, die u.a. vom Vegetarierbund Deutschland in Auftrag gegeben wurden, zeigen, dass Soja- und Seitanprodukte um ein vielfaches klimafreundlicher sind als Fleisch.

Veganes Leben ist ökologisch und nachhaltig

Welche Gründe auch immer für jeden persönlich die Schwerwiegendsten sind: Der Wechsel zur veganen Lebensweise wird heute zunehmend als Schritt zu ökologischer und nachhaltiger Lebensweise erkannt. Inzwischen ist es möglich, gerade als Veganer, mit einem überschaubaren Aufwand seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Gesellschaft zu leisten.

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Vorurteile vegan – Pro und Contra

Die Vorurteile gegenüber Veganern entspringen häufig einem engstirnigen Schubladendenken.

  1. Veganer sind Freaks, deren Lebensentwurf eher einer politischen Boykotthaltung als einem bewussten und positiven Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt entspringt.
  2. Der Mensch braucht Fleisch, denn sein Verdauungsapparat, von den Zähnen bis zum Darm, ist auf Omnivor, also auf Allesesser eingestellt.
  3. Man kann auf Fleisch zwar verzichten, aber wer keine Mangelerscheinungen befürchten will, muss Milchprodukte zu sich nehmen. Wer auf Fisch verzichtet, bekommt keine Omega-3-Säuren und muss alternative Jodquellen finden, auch bei Zink, Calcium und B12 wird es kritisch.

Eine gesunde Ernährung ohne tierliche Lebensmittel ist sehr schwierig, ohne Milch fehlt das Kalzium und Soja ist ohnehin durch Gentechnik belastet und wird zum Umweltproblem. Ohne künstliche Nahrungsergänzung geht es nicht. Und so weiter … Die Vorurteile über eine vegane Lebensweise und Ernährung sind noch immer weit verbreitet.

Veganismus – Informationsmangel und verdrehte Fakten

Obwohl sich der Veganismus in allen Bevölkerungsschichten etabliert, ist kaum ein Thema in ähnlicher Weise durch Informationsmangel geprägt, sind Fakten unbekannt bzw. werden falsch dargestellt. Das führt zu Verunsicherung und zu Fehlschlüssen und sogar Experten stoßen an ihre Kompetenzgrenzen.

Eine sich stärkende Lobby bringt mit prominenter Unterstützung langsam Licht ins Dunkel. Informationen aus Standardwerken, die häufig überholt sind, werden durch neue Richtwerte ersetzt, der Vitamin- und Mineralstoffgehalt von Lebensmitteln wird neu berechnet und die Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit besser durchschaut. Die lange gehegte Annahme, pflanzliches Protein sei von geringerer Qualität, gilt als wissenschaftlich völlig entkräftet und das Gegenteil als bewiesen.

Vegan sein bedeutet schon lange nicht mehr nur Verzicht. Viele Veganer, die aus ethischen Gründen damit aufgehört haben Fleisch zu essen und nicht, weil es ihnen nicht schmeckt, sind begeistert, dass sich mit Phantasie und Kreativität fast alles zaubern lässt, was sie früher gern gegessen haben. Der Handel, vor allem Bioläden, hat sich auf die Bedürfnisse von Veganern eingestellt und erweitert die Produktpalette entsprechend stetig.

Natürlich ist es mit etwas mehr Anstrengung verbunden, auf Verzichtbares zu Verzichten. Wer sich bewusst gesund vegan ernähren will, muss öfter als Omnivore hinterfragen: Was esse ich heute? Was gebe ich in meinen Kaffee? Was esse ich, wenn ich bei Freunden eingeladen werde? Und wie bekomme ich alle nötigen Nährstoffe? Auf etwas mehr Disziplin und grundlegende Kenntnisse, was der Körper braucht, kommt es schon an.

Nachteile von veganer Ernährung / veganer Lebensweise:

  • Vegan sein ist eine Gradwanderung zwischen ständigem bewussten Auswählen und dem Toleranzbereich seiner Mitmenschen.
  • Verlust an Spontanität: im Alltag kann strikte vegane Ernährung kompliziert werden, wenn es schwerfällt, unterwegs Snacks zu finden.
  • Vegan bedeutet nicht gleich gesund. Zucker ist vegan, aber sehr ungesund. Deshalb sprechen Experten die Empfehlung aus, zum Weglassen von Tierprotein, bewusst, mehr Vollwertkost zu sich nehmen.

Liebgewonnene Verhaltensweisen lassen sich nur schwer abstellen. Es gilt, neue Produkte und Nahrungsmittel zu finden und kennen zulernen. Gesund essen heißt auch Zeit und Mühe investieren, gerade am Anfang: neue Zutaten und Zubereitungsweisen wollen erprobt sein.

Besonders Jugendliche, die sich dafür entscheiden Veganer zu werden, erleben die Nachteile dieses Entschlusses und werden mit dem Vorurteil konfrontiert, dass gerade der junge Körper Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe brauche, die man aus rein pflanzlicher Kost nicht genügend beziehen könne.

  • Auf die Zufuhr von Vitamin B12 und Vitamin D müssen Veganer besonders achten. Der Handel bietet dafür spezielle Rohkostpräparate (keine synthetischen Vitamine) an. Auch Zahnpasta wird teilweise mit Vitamin B12 angereichert.
  • Soja erhöht den Östrogenspiegel. Zu hoher Sojakonsum kann bei Männern zu einer weiblicheren Figur führen. Besonders kleine Jungen sollten wenig Soja zu sich nehmen. Soja insgesamt besser in Maßen genießen und auf Ersatzprodukte aus Weizen, Lupine usw. zurückgreifen.

Vorteile von veganer Ernährung / veganer Lebensweise:

  • Tiere erleben in der Massentierhaltung ein Elend aus Enge und artfremden Maßnahmen, Veganer nehmen keine Angst- und Stresshormone auf, die Tiere in der Massentierhaltung ausschütten.
  • Bewusst lebende Veganer sind in der Regel besser ernährt und in besserem körperlichen, seelischen und geistigen Zustand als Omnivore.

Was gesund ist, schmeckt nicht und vegan schmackhaft ernähren geht nicht! Diese Leitsätze gelten nicht mehr. Vegane Kochbücher bestimmen die Bestsellerlisten, Sterneköche zeigen, wie vegan geht oder spezialisieren sich ganz darauf. Wer sich auf das Abenteuer einlässt und mit Freude neue Lieblingsprodukte findet und ausprobiert, wird nichts vermissen.

  • Vegane Ernährung wirkt sich nachweislich positiv auf die Gesundheit aus: Vegane Ernährung senkt die Cholesterinwerte und wirkt sogar Pupertätsakne entgegen.
  • Seitan auf Weizenbasis und Tofu auf Sojabasis sind wertvolle Eiweißquellen und Fleischersatz.

Aus vollwertiger biologisch angebauter pflanzlicher Nahrung können wir alle Nährstoffe beziehen, die der Körper braucht: Veganer schätzen die Vorteile, sollten aber auch die Risiken kennen.

  • Eine fleischproteinreiche Ernährung führt zu mehr Harnsäure im Urin und somit zu einem höheren Säuregrad, was zu Nierensteinen führen kann.

Leider nehmen wir zu viele Kohlenhydrate als Zucker zu uns, auch Veganer. Aber der Anteil an Raffinadezucker liegt bei Veganern unter dem Durchschnitt. Sie essen mehr natürliche Zucker. Da Saccharose der Hauptverursacher von Karies ist, haben Veganer durch die geringere Zufuhr oft bessere Zähne.

Bildnachweise (Elements.Envato.com): Female cook at the table preparing vegan meals. © fxquadro, Vegan sources of protein © furmanphoto, Pros and Cons © Bloomicon, Man eating rucola salad © halfpoint, Environmental activist about to plant tree on a sunny day © Wavebreakmedia

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